Hurra, wir dürfen wieder! Ein Hoch auf das Essen in (bester) Gesellschaft

April 2022

 

Sie boomen: Die Kochkurse als Firmenevents, Grillabende im Verein, Brotbackkurse für (Groß-)Eltern und Kind beim beliebten Freizeitträger oder Kaffee & Kuchen-Runden in den Gemeindehäusern. Natürlich nicht zu vergessen das extra lange Frühstücksangebot am Wochenende im Lieblingscafé mit kulinarischer Frühstücksplatte für Zwei. Wer genau hinschaut, dem erschließt sich die Gemeinsamkeit direkt. Es geht um das Thema Essen. Aber nicht um die Nahrungsaufnahme, die unser Körper nun mal täglich benötigt, um zu funktionieren, sondern um das GEMEINSAME Essen. Genau genommen um die Mahlzeit als Bestandteil unseres sozialen Miteinanders. Oft nicht in seiner Wichtigkeit wahrgenommen, in der Hektik des Alltags untergegangen oder schlichtweg ganz in Vergessenheit geraten. Und dennoch so wichtig für das körperliche und seelische Wohl des Menschen in jeder Lebensphase.

Unumstritten plädieren Fachleute dafür, mindestens einmal täglich am Familientisch zusammenzukommen und eine Mahlzeit gemeinsam zu sich zu nehmen. Die Gründe sind so plausibel wie offensichtlich. Neben einem positiven Effekt auf die allgemeine soziale Entwicklung durch einen intensiveren sprachlichen Austausch und dem Einhalten von gesellschaftlichen „Gepflogenheiten“, lernen Kinder bewusst zu essen und neue Lebensmittel zu probieren. Insbesondere ersteres legt einen wichtigen Grundstein für eine lebenslange Gesundheit. Denn Übergewicht und die Ablehnung von frischen Lebensmitteln zieht sich heute durch alle Gesellschaftsschichten.

Repräsentative Umfragen und Studien, wie beispielsweise die Umfrage des Deutschen Kinderhilfswerks aus dem Jahr 2020 zeigen, dass das Bewusstsein der Eltern – trotz Jobs und Alltagssorgen – zunimmt und die Anzahl an gemeinsamen Mahlzeiten wieder stetig ansteigt. Auch der Blick in die Angebote von familienorientierten Trägern und unseren Kneipp-Vereinen spricht für sich. Koch- und Backkurse für die ganze Familie erleben eine Hochkonjunktur. Es geht nicht nur um das gemeinsame Essen, sondern auch um den Spaß an der gemeinsamen Zubereitung der Speisen. Um das Erlebnis etwas zusammen zu schaffen. Wenn es im Anschluss auch noch prima schmeckt, umso besser!

Nun stellt sich die Frage, ob denn nur Heranwachsende von gemeinsamen Mahlzeiten profitieren? Na, da sind wir Kneippianer uns sicher.

Der Wunsch nach einem harmonischen Austausch, dem Gefühl gehört zu werden und sich im Gespräch neues Wissen anzueignen, gehört zu den lebenslangen Bedürfnissen eines jeden Menschen. Und auch Pfarrer Sebastian Kneipp hebt in der Umschreibung seines Elements „Ernährung“ beharrlich hervor, dass für alle Menschen nicht nur die frischen, regionalen Lebensmittel wichtige Zutaten zu einem ausgewogenen Mahl sind, sondern auch Ruhe, Gelassenheit und eine nette Gesellschaft. So werden in Seniorenwohnstätte die gemeinsamen Essenszeiten durch musische oder literarische Kaffeegesellschaften am Nachmittag ergänzt. Berufstätige Menschen treffen sich abends in Restaurants und Bars, um mit Freunden und Partnern vom Tag abzuschalten. Jugendliche treffen sich mit einer Pizza im Park und genießen das Zusammensein nach dem Unterricht. Der Nahrungsaufnahme ist also die Komponente Gemeinschaft vorangestellt.

Doch reicht es nicht, wenn mehrere Personen zum selben Zeitpunkt am selben Tisch Platz nehmen. Das gemeinsame Essen ist kein Selbstläufer oder Allheilmittel unseres angeschlagenen sozialen Miteinanders. Gemeinsames Kochen und Essen bedeutet auch Investition in Zeit, Mühe, Geduld und Verzicht auf die ständige Erreichbarkeit. Und was gibt es dafür im Gegenzug? Schöne Erinnerungen, neue kulinarische Entdeckungen und manchmal Entschleunigung pur. Denn wer kennt es nicht, das Gefühl nach einer leckeren Mahlzeit in netter Gesellschaft den Tag ausklingen zu lassen.

 

Unsere 7 Tipps für ein gelungenes Essen in Gesellschaft:

  • Planen Sie die Mahlzeit vorab und setzen Sie sich nicht mit einem Drei-Gänge-Menü unter Druck. So vermeiden Sie selbst in Stress zu geraten.
  • Beteiligen Sie andere an der Planung und/oder der Zubereitung der Speisen.
  • Gestalten Sie die Atmosphäre angenehm. Auch Kinder und Senior*innen wissen es zu schätzen, wenn der Tisch einladend gedeckt wird.
  • Schalten Sie alle Störfaktoren aus. Vergessen Sie nicht die Türklingel, denn Nachbar oder Paketlieferant können riechen, wenn das Essen auf dem Tisch steht.
  • Vermeiden Sie bewusst Streitthemen. Dafür finden Sie bestimmt einen anderen Zeitpunkt.
  • Gehen Sie als Vorbild voran. Probieren Sie neue Speisen und bieten Sie gerade Kindern zwanglos einen „Probierlöffel“ an.
  • Gestalten Sie das gemeinsame Essen nicht zu lange und schaffen Sie immer einen positiven Abschluss. So freut sich jeder auf die nächste gemeinsame Mahlzeit.